Stefan und ich hatten heute einen Termin in der Einrichtung um mit A. die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Sie ist dort als Psychotherapeutin tätig und unser Gespräch verlief so gut, dass wir gleich beschlossen Nägel mit Köpfen zu machen. Wir hatten die Kameras zur Sicherheit bereits ins Auto gepackt, um mit A. besprechen zu können, ob sie gut für das Projekt geeignet wären. Also leicht bedienbar für die Jugendlichen.
A. hatte eine Liste aller Jugendlichen der Einrichtung und besprach mit uns welche Klase am besten geeignet wäre. Nachdem diese zu diesem Zeitpunkt gerade Unterricht hatte, lag es auf der Hand gleich den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und mit den Jugendlichen zu sprechen. Laut A. waren die meisten bereits volljährig aber wir entschieden uns dafür ein Schreiben für die Eltern oder auch sie selbst zu formulieren, um den Rahmen des Projektes und auch die Verwendung der Daten abzustecken. Für uns ist klar, dass nichts ohne das Einverständnis der Jugendlichen oder ihrer Eltern geschieht und das keine persönlichen Daten weitergegeben werden.
So verfasssten wir eben die Zeilen an die Eltern und präparierten die Kameras. Wir versahen sie mit einer Nummer, die wir später einem Jugendlichen zuordnen wollten. Ich untersuchte die Kameras zudem auf kleine Details, die auch mit verminderter Sehkraft markant snd. Wir mussten den Jugendlichen die Geräte ja genau erklären. Neben dem Auslöser rechts oben gab es noch einen Knopf zum Aufladen des Blitzes. Dieser war links unten neben der Linse und dieser muss eine gewisse Zeit gedrückt werden, damit der Blitz auflädt. Wenn er bereit ist leuchtet oben ein kleines rotes Licht. Zudem ertönt ein hoher Ton und ich versuchte die Jugendlichen, die das Lämpchen nicht sehen konnten auf dieses Geräusch zu sensibilisieren.
Nachdem alles vorbereitet war gingen wir zu dritt nach oben in das Klassenzimmer, in welchem die Jugnedlichen am Arbeiten waren. Wir waren schon vorher einmal kurz oben gewesen, um mit den Betreuern der Gruppe zu reden und herauszufinden ob wir sie auf unserer Seite hätten. Wir wollten uns nicht aufdrängen aber die Rückmeldung war auch hier sehr herzlich. Als wir dann ins Klassenzimmer eintraten, wurden wir von A. und den Betreuern vorgestellt. Danach erzählten wir worum es geht und fragten wer Lust hätte mitzumachen. Wir hatten vorher Bedenken bezüglich der Anzahl an Kameras, die wir dabei hatten und überlegten schon, wo wir im Fall der Fälle, schnell neue Kameras besorgen könnten. Am Ende ging es sich aber gut aus. Wir hatten 11 Kameras dabei und es meldeten sich 9 Jugendliche. Was nun folgte ist schnell umrissen, war für mich aber so schön, dass ich das gar nicht hier so in Worte fassen kann. Wir erklärten ihnen die Kameras und dass sie freie Hand hatten mit der Motivwahl und das wir einfach wollen, dass sie auch viel Spaß beim Fotografieren haben. Für mich waren dies wirklich schöne und auch berührende Gespräche. Zu sehen wie die Jugendlichen gleich herumwuselten und begannen die ersten Bilder zu schießen, war einfach schön und machte das Projekt zum ersten Mal real. Es war nicht nur mehr eine Idee, sondern es wurde langsam greifbar. Gerade im Team war dies sehr schön, da wir uns gut ergänzten und es schien, dass die Jugendlichen keine Scheu vor uns hatten. Es war glaube ich auch gut, dass sowohl ein Mann und eine Frau als Ansprechpartner zur Verfügung standen.
Ein paar Jugendliche waren unsicher und wir wollten sie jedoch zu nichts drängen. Wir ließen aber die übrigen 2 Kameras bei den Betreuern, falls es sich noch jemand überlegen wollte. Wir hatten den Zeitrahmen für die Jugendlichen mit etwa 2 Wochen abgesteckt und sie gebeten, die Kameras dann an M. oder T - ihre Betreuer - abzugeben. Ich fand es schön, dass diese beiden bereit waren uns so zu unterstützen und wir ließen ihnen einen Karton für das Sammeln der Kameras, sowie einige Exemplare des Schreibens an die Eltern und auch unsere Kontaktdaten da.
Abschließend hatten wir noch ein kurzes Gespräch mit A. bevor wir fuhren und erklärten auch ihr unsere weitere Vorgehensweise. Ich werde sie nächste Woche einmal anrufen und gegen Anfang April rüberfahren um die Kameras wieder abzuholen. Für die Portraitfotos der Kinder würde ich dann gerne einen neuen Termin ausmachen. Als wir fuhren, blieb bei uns beiden ein echt schönes Gefühl zurück und wir setzten uns noch einige Minuten in den nahegelegenen Park, um die Ereignisse Revue passieren zu lassen. Der erste große Schritt war getan und das sogar früher als erwartet :)